Tischtopia 1.0

Videoinstallation (2019) / 22:13 Min im Loop / FullHD Projektor / Stereo Kopfhörer / 2 Stühle + 1 Tisch / Print

Tischtopia 1.0 ist nur scheinbar ein Küchentisch. Es ist ein Ort und Nichtort. Sechs Personen spannen eine Brücke zwischen dem Jetzt und einem möglichen Morgen.

Installationsansicht tischtopia 1.0
Ausstellungsansicht

Beim Herantreten sehen die Besucher*innen auf der einen Seite der Tischfläche die Projektion von gestikulierenden Händen. Über einen herabhängenden Kopfhörer und durch das Ambiente der Installation taucht der/die Besucher*in in einen virtuellen Raum von verschiedenen PoC**-Perspektiven ein, der aus wechselnden Stimmen und der jeweils dazugehörigen Projektionen von Hände besteht. Darin hören sie einen Zusammenschnitt aus Interviews mit sechs Aktivist*innen of Color** aus den Bereichen Kultur, Medien und Politik.

Die Sechs erzählen im Video von ihren persönlichen Auseinandersetzungen, von ihren Beobachtungen zu aktuellen gesellschaftlichen Dynamiken und Ungleichheitsverhältnissen und davon, welche Prozesse sie als PoC durchlaufen und tagtäglich gestalten. Sie hinterfragen den Status Quo und „tischtopieren“ über ihre Visionen und Utopien einer pluralistische Gesellschaft. Dabei fließen auch die Erfahrungen der Elterngeneration ein, und die Besucher*innen sind als Zuhörer*innen eingeladen, in der Erzählung der sechs Personen einer Entwicklung beizuwohnen, die durch die Selbstermächtigung und Momenten alltäglich-gelebter Utopien geprägt ist.

Der leere Stuhl lädt nicht nur zum Zuhören ein, sondern auch dazu, über die eigene Positionierung, gerade in Relation zu anderen Subjekten zu reflektieren.

In Blickrichtung der/die Zuhörer*in sind an der gegenüberliegenden Wand die Fragen angebracht, auf die sich die sechs Personen im Interview beziehen, sowie auch die Fragen, die sie ihrem virtuellen Gegenüber, den Besucher*innen, im Video stellen.

Installationsansicht

Die Installation ist Teil eines größeren Projektes mit dem Titel x_topia, dass sich mit Raum und Wahrnehmung befasst. Die Arbeiten wurden erstmalig im April 2019 im Rahmen der Einzelausstellung mit dem gleichnamigen Titel, im OFF SPACE Moltkerei Werkstatt gezeigt.

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PoC – Abkürzung für People of Color – Selbstbezeichnung von Menschen, die Rassismuserfahrungen machen. Auch im deutschsprachigen Raum benutzt, enstand die Bezeichnung in der Bürgerrechtsbewegung in den USA und zielt auf die Vereinigung der unterschiedlichen Gruppen ab, die Rassismus erfahren, um so Kräfte zu bündeln und gemeinsam gegen Rassismus zu kämpfen. In Deutschland wird der Begriff PoC vorrangig im akademischen Umfeld benutzt und setzt sich sehr langsam im Alltag durch. Weitere Erklärungen, siehe Artikel der Missy Magazine von 2017